Biografie
hier ein Interview aus dem Magazin "Tastenwelt" 04/2004
Der fliegende Holländer
Eine große Fan-Gemeinde hat sich Michel Voncken erspielt, obwohl es bisher noch keinen Tonträger von ihm gibt. Als Keyboard-Vorführer für Yamaha gehört der 34-jährige zu den heimlichen Stars der Entertainer-Szene.
Die lautstarken Zugabe-Forderungen beim jüngsten Entertainer-Treffen von Tastenwelt auf der Frankfurter Musikmesse waren eine deutliche Sympathie-Kundgebung: Der humorvolle Holländer wird von seinen Zuhörern geradezu geliebt, weil er als Star ohne Allüren beste Unterhaltung bietet. „Ich spiele das, was mir gefällt“, sagt er, „man sollte sich mit Tasten-Akrobatik nicht selbst überfordern.“
Begonnen hatte seine musikalische Karriere im Alter von neun Jahren. Damals bekam Michel eine „Gebläseorgel“ von Bontempi geschenkt, auf der er zum Leidwesen von Eltern und Nachbarn so intensiv übte, dass er bald ein besseres Instrument und in seinem Heimatort Valkenburg einige Jahre Unterricht an der Musikschule erhielt. Jenseits von öden Etüden und Tonleitern brachte ihm ein Profi-Musiker zusätzlich die Praxis bei und überredete den erst 15-jährigen zu seinem ersten Auftritt in einem Hotel.
„Dieser Abend wurde ein voller Erfolg“, erinnert sich Voncken: „Schon nach einer Stunde kam der Hotel-Manager und buchte mich für die restliche Sommersaison.“ Doch weil der Jung-Entertainer noch keinen Führerschein hatte, mussten ihn seine Eltern zu allen Auftritten mit der Yamaha FS-70 kutschieren. Die Teilnahme am Yamaha-Orgelwettbewerb 1986 brachte ihn bis ins holländische Finale, wo er mit der Ouvertüre aus „Dichter und Bauer“ Dritter wurde.
Als 1987 die HX-1 auf den Markt kam, wollte Michel das neue Instrument haben und ließ sich auf einen Deal mit dem Inhaber des Musikgeschäftes ein: Schon eine Woche später arbeitete er als Orgelvorführer und parallel mit einem zweiten Keyboarder als Tanzmusiker-Duo. Nach einer Außendienst-Tätigkeit für den italienischen Hersteller Orla wurden die Kontakte zu Yamaha enger und Voncken begann, 1997 in den Niederlanden und kurz danach auch auf der Frankfurter Musikmesse Yamaha-Instrumente vorzuführen. „Dann folgten Präsentationen in Belgien, Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie schließlich das Angebot, ob ich auch in der Entwicklung mitarbeiten wollte.“
Bei wochenlangen Aufenthalten in Japan sorgte der „fliegende Holländer“, der jährlich rund 70.000 Kilometer zurücklegt, unter anderem für die aufwändige Programmierung der One Touch Settings von Tyros und PSR-3000. Die Begeisterung für diese Arbeit spürt man an dem Stolz, mit dem er seine „Babies“ überall präsentiert – auf der Frankfurter Messe immerhin bei sechs Shows täglich. Und wenn er zum typischen Elvis-Shuffle ein schwungvolles „Good luck charm“ anstimmt, sind ihm die Sympathien sämtlicher Zuhörer sicher.
Doch wie es in der Musiker-Seele wirklich aussieht, wissen die wenigsten. So stand er vergangenes Jahr vier Tage nach dem Tod seiner Mutter wieder auf der Bühne – the show must go on. Und auch das ständige Leben aus dem Koffer ist nicht unbedingt der Traum eines Familienvaters: „Die Telefonkosten sind manchmal ganz schön hoch!“ Weil fast food und lange Autofahrten der Gesundheit nicht unbedingt zuträglich sind, hat Tulpen-Michel, wie er sich selbstironisch nennt, kürzlich 23 Kilo abgenommen und versucht sich durch Laufen und Radfahren fit zu halten.
„Nervös bin ich immer noch vor jedem Auftritt wie beim ersten Mal“, gibt er unumwunden zu, „aber sobald ich eine Bühne betrete und das Publikum sehe, bekomme ich auch Energie und kann alles sonst vergessen.“ Tolle Instrumente für nette Leute vorzuführen, „das ist ein wunderschöner Beruf, den ich gern noch viele Jahre machen möchte“. Diese Arbeit und die damit verbundenen Reisen nehmen ihn so sehr in Anspruch, dass für private Projekte wie die Produktion einer CD kaum Zeit bleibt – „vielleicht komme ich im Herbst dazu, einige Stücke aufzunehmen“. Im Internet gibt es eine eigene Fan-Seite für Michel unter www.vonckenfan.de.
Peter Stöbich
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